Culture Shock & Culture Awareness

Um den nun folgenden Eintrag hier wirklich zu verstehen zu können, empfiehlt es sich, entweder diesen beiden Artikel hier und hier vor dem eigentlichen Lesen gelesen, resp. überflogen zu haben, oder bereits einen ähnlichen Erfahrungsschatz zu besitzen.

Am kommenden Montag ist’s nun bereits ein Monat her, seitdem ich in Frankreich bin. In dieser Zeit bin ich viermal umgezogen, habe gefühlt tausend Freunde mehr auf Facebook und durfte durch einige Höhen und Tiefen gehen.

Doch das beeindruckenste ist: ich habe mich kennengelernt. Nicht als Person, sondern in meiner Nationalität. Als Deutscher. Und das ist eine äußerst seltsame, dennoch zu gleich sehr spannende Erfahrung. Wobei  der Kurs diese Woche: “Managing intercultural teams” ein bisschen in der Verarbeitung nachgeholfen hat.

Wenn man kurz überlegt, welche stereotypischen Verhaltensweisen es bei einen Deutschen gibt – zB Pünktlichkeit, Ordnung, Struktur -, bzw. wie andere Kulturen unsere betrachten und beschreiben, dann bin ich froh, dass ich etwas aus der Reihe falle. Die oben genannten erfülle ich zB nicht sonderlich gut. ;) Doch sind diese drei Eigenschaften nur exemplarisch zu verstehen, denn und dies wurde mir die Woche klar, sind sie, obwohl ich sie zB nicht sonderlich gut ausführe, fest verankert. Verwurzelt. Dies zu erkennen und vor allem zu akzeptieren  ist gar nicht mal so leicht. Es sind die Kleinigkeiten, wie immer im Leben, die einen zurück auf den Boden der Tatsachen holen.

Zum Beispiel die Zeit. Selbst wenn ich (für deutsche Verhältnisse) 15-30 Minuten zu spät zu einer Verabredung bin, bin ich entweder pünktlich oder zu zeitig. Das es erst manchmal bis zu zwei Stunden später losgehen kann, ist dann doch ungewöhnlich für mich und stört (etwas). Man ist es ja schließlich anders gewöhnt. Und.. siehe da: eine deutsche Tugend – die Pünktlichkeit. Und das, obwohl ich dagegen ankämpf(t)e, in dem ich schon später erscheine. Bei anderen Dingen ist’s im übrigen ähnlich.

Doch mit der Zeit und natürlich weiteren Erlebnissen lernt man eins: die Akzeptanz der eigenen Nationalität, auch wenn man bisher immer versucht hat den stereotypischen Eigenschaften zu widersprechen. Natürlich gehört dazu auch die Akzeptanz der anderen Nationalitäten und deren “Eigenarten” – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und siehe da, der Horizont wurde breiter und wird es in Zukunft auch noch weiter werden. Gemäß Johari-Fenster, bezogen auf Kulturen/Nationalitäten, lernt man sich selbst besser kennen und minimiert somit ein Stück weit ein seinen eigenen “blinden Fleck”.

Es ist, so habe ich festgestellt, nicht schlimm ein Deutscher zu sein, wenn man weiß, wo andere die Qualitäten sehen, man selbst die “natürlichen” Eigenarten mit einem Zwinkern hin nimmt und sich bewusst ist, dass es da noch viel viel mehr gibt und eben keiner das Non-Plus-Ultra ist. Und so wird alles einfacher und lockerer.

Alles in allem ist dies nur der Versuch das Gefühl, welches ich empfinde, in Worte zu fassen.. es ist, wer es noch nicht selbst erfahren durfte, es auf jeden Fall Wert – Go abroad in an international community!

3 Responses to “Culture Shock & Culture Awareness”


  • faszinierend, dass du deutlich weiser an diese Tatsache herangehst und besonders mehr Geduld und Verständnis hast als die Vertreter der europäischen Regierung.. bei Gelegenheit dazu einige Anekdoten aus dem Planer-Leben :)

  • Pünktlich ist, wenn noch jemand nach dir kommt ;) Relativ halt und im Vergleich zu Spaniern und Italienern musst dich da wirklich anstrengen, um zu spät zu kommen^^

  • Durch’s Lesen fühle ich mich an meinen Aufenthalt in Irland erinnert.. Da dachte ich mir dann auch: Deutsche sein is gar ni so übel :)

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