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Gute Frage: Wie blöd sind wir eigentlich?

Generation Doof

Etwas indifferent ob oder ob nicht, entschied ich mich dann doch noch am Donnerstagabend, kurz vor Ladenschluss, dazu, mir ein Exemplar das in den Medien anscheinend bereits mit voller Wucht eingeschlagenen Sachbuchs Generation Doof zu erwerben, um mir selbst ein Bild um des Generationen Zustands bilden zu können.

Frau Weiss und Herr Bonner, die Autoren des knapp 330 Seiten starken Buches – es reicht also für ein feines Wochenende – zeigen dem Leser anhand von sechs Merkmalen, der Freizeitgestaltung, der (Aus-)Bildung, dem Berufsleben, dem Medienkonsum, der Liebe sowie der Erziehung den desaströsen Zustand dieser Generation auf.

Doch wer gehört eigentlich zu den Doofen?

Eine Generation umfasst in Jahren das Mittel aus dem Altersabstand von Kindern und Eltern. [...] Vor dem Jahr 1800 betrug der Abstand einer Generation etwa dreißig Jahre, zwischendurch sank er mal ein bisschen, aber durch die vielen Akademikerinnen und Spätgebärenden sind wir heute etwa wieder bei dreißig Jahren. [...] Wir sind großzügig. Unsere Generation umfass rund dreißig Jahre und wird durch bestimmte doofe Einstellungen, Interessen und Verhaltensweisen geprägt. Es ist die Generation der heute Fünfzehn- bis Fünfundvierzigjährigen.

Damit ist klar, ich, ihr, die Leser meiner Seite, können uns freuen, reichen wir uns die Hand und sprechen laut gemeinsam: Wir sind (ein Teil der) Generation Doof!

Überrascht? Ich, um ehrlich zu sein, bin es schon etwas. Dachte mir vor dem Lesen des Buches, könnte knapp werden, getreu: Nach meinem Jahrgang die Dummheit.. doch weit gefehlt.
Nun, welche Einstellungen, Interessen und Verhaltensweisen prädestinieren uns also als die Dümmste von allen zu sein?

Wir sind die Generation der Unentschlossenen, der ewig Jugendlichen, die nicht erwachsen werden wollen – eine Generation, die alles haben will, und zwar sofort, aber keine Entscheidungen treffen mag. [...] Wir von der Generation Doof mischen unser offiziell attestiertes Halbwissen gerne mit ungezwungener Lässigkeit.

Selbst das Studium, ergo die gehobene Ausbildung, ist kein Indikator mehr dafür eben nicht dazuzugehören:

‘An den Hochschulen verstärkt sich die Tendenz zu einer undifferenzierten Massenvergabe von Bestnoten’, kritisiert Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Philologenverbands. Auf Doof gesagt: Die schmeißen einfach ein paar Noten in die Luft und schauen mal, welcher Student sie auffängt.

Halbwissen, Dilettantismus, yes, genauer kann man uns schon gar nicht mehr beschreiben. In allen Stufen der (Aus-)Bildung: Realschule, “Gynasion”, Universität sind wir, im Vergleich zu den Vorgängergenerationen, nur eins: mangelhaft.

Nett, aber nur ein Vorgeschmack auf den weiteren Kanon an Unzulänglichkeiten mit dem “wir” uns zieren.
Ein anderes Beispiel gefällig? “Wir” dürfen uns u.a. dafür rühmen, ein

weit verbreitetes Fehlen eines kleidungsästhetischen Bewusstseins

zu besitzen.

Was wohl damit gemeint ist?
Denkt kurz an Schlampenstempel aka Tussilenker aka Arschgeweihe, an die Quellwürste die Hüfthosen tragen, nicht zu vergessen die Honks, die sich mit Zuhälterketten schmücken und voller Stolz die Karl-Kani-Klamotten zur Schau stellen, aber auch an die Mittdreißiger, die sich kleiden, als wären sie in der Pubertät stecken geblieben. Nichts ist so schön, wenn man die Dummheit der anderen bereits am Äußeren festmachen kann.

Aber auf der Gefühlsebene könnten wir doch “normal” geblieben sein.
Nein, denn hier wird von einer Verrohung der Gefühle geschrieben.. wobei, besser von der Unfähigkeit eine Beziehung zu führen zu schreiben ist. Die Autoren differenzieren unsere Generation in zwei verschiedene Gruppen: die Hardcore-Sexfraktion, die keine Scham kennt, ein natürliches Mitteilungsbedürfnis bezüglich ihrer sexuellen Vorlieben besitzt und diese (natürlich) gern durch Alkohol potenziert. Ergo viele kleine auf den Austausch von Körperflüssigkeiten angelegt Beziehungen, die, ein weiteres Syndrom, stets der Öffentlichkeit offeriert werden muss.

Die Anderen sind nur wesentlich besser: die Hyperromantiker, die Leute die sich in ein Wunderland zurückziehen und sich mit ihrem Schatz, dem Röschen, Mausi, Hasi, weiß würgt der Geier welchen absurden Spitznamen noch alles, sich vom stressigen Alltag zurückziehen, Cocooning betreiben.. alles super süß, flauschig, rosa-rot und doch irgendwie abartig.

Nun, um dem geneigten Leser nicht komplett die Lust auf das eigene Erfahren für das Gefühl dieser Generation durch das Lesen dieses Buches zu nehmen, wenn man es nicht schon am eigenen Leibe verspüren durfte, gar leben konnte, werde ich an dieser Stelle nicht weiter auf restlichen Inhalt des Buches eingehen. Wobei diese sicherlich auch genügend Diskussionspotential besitzen..

Obwohl das Buch eher kurzweilig unterhält, ist es dennoch sehr amüsant geschrieben und zu lesen. Die Tatsachen sind leider sehr traurig, weil eben wahr und sollen zum nachdenken anregen. Ich finde, man darf Generation Doof ruhig als schriftliche Manifestation des aktuellen Status quo unserer Gesellschaft, nein unserer Generation, betrachten und rechtfertigt damit auch die Anschaffungskosten in Höhe von 8,95 €.

Wer sich das Buch, aus welchen Gründen auch immer nicht zulegen möchte, kann es sich bei mir – für ein Wochenende – gern ausleihen.

2 Comments

  1. Posted 24 Feb ’08 at 18:47 | Permalink

    Nach dem Lesen des Buches kann man dann gleich mit dem Schauen des Films Idiocracy weitermachen. Ist jetzt zwar nicht unbedingt ein unheimlich toller Film, aber so einige Aspekte werden da auch nochmal aufgegriffen und wunderbar auf die Spitze getrieben.

  2. Posted 24 Feb ’08 at 23:12 | Permalink

    Idiocracy macht aber eine schöne Aussage: “Dumme” vermehren sich schneller, als “Kluge” Menschen. Was dann zur eigentlichen Misere führt.

    Aber neben der Generation Doof, sind wir noch die Generation Praktikum und die Generation Y und was weiß ich wieviele andere Bezeichnungen wir haben. Sicher kann man Individuen rausnehmen und auf die Gesellschaft verallgemeinern. Doch wissen wir ‘gebildeten’ Leser deines blogs, dass nicht alle so sind… Ich halte ehrlich nicht viel von solchen Büchern.