oder: Wie eine Freundschaft zerbricht.
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich über dieses Thema hier ein Wort verliere, oder ob ich es doch nicht lieber sein lasse und es für mich so verarbeite.
Wie ihr lesen könnt, habe ich mich für erstes entschieden.
Was hat eine Freundschaft mit “First Come – First Served” zu tun?
Kann, nein, muss man Freundschaft in Systeme/Modelle verpacken und sie als verbindlich betrachten?
Warum ich darüber schreibe?
Eine knackige Antwort wäre: Das Thema liegt mir sehr am Herzen, denn es stimmt mich auf eine Art und Weise traurig und nachdenklich.
Freundschaft ist für mich, wie Familie, absolut wichtig.
Wobei ich differenziere. Nicht jede Bekanntschaft ist ein Freund.
Auf Freunde kann ich mich verlassen, in guten, wie in schlechten Zeiten. Sie akzeptieren mich, so wie ich bin. Brauche ich Hilfe, kann ich mich zu 101% darauf verlassen, dass ich eine helfende Hand, ein offenes Ohr, moralische Unterstützung, Ratschläge “zur Verfügung” gestellt bekomme und umgedreht ist es genauso.
Da ich meine Freunde an einer Hand abzählen kann, gilt eindeutig Klasse statt Masse. Wobei ich meine Freunde nicht regelmäßig sehe, mit unter sehr selten gar, aber das unsichtbare Band der Verbundenheit ist stets bei Zusammenkommen fühlbar vorhanden. Das erfüllt mich mit Freude und irgendwo auch mit Stolz.
Ergo mein kleiner Freundeskreis hat eine äußerst hohe Priorität für mich. Dies äußert sich u.a. darin, dass ich für einen Freund alles stehen und liegen lasse und meine Aufmerksamkeit, wenn er zB. fragt ob ich Zeit habe, ihm widme. Andersrum habe ich es eigentlich stets genauso erlebt. Klar es kann vorkommen, dass mal wer verhindert ist, aber dann dauert es nicht lange und die Sache ist nachgeholt.
Freundschaften entstehen nicht von heute auf morgen, sie bedürfen einer Menge Gemeinsamkeiten, sehr viel Vertrauen und nicht wenig Zeit, schließlich sind sie mein Sicherungsnetz, wenn mein Leben mal aus den Fugen geraten sollte.
Wenn ich jemand zu meinen Freunden zähle, erwarte ich von ihnen das gleiche, bzw. ein ähnliches Verhalten. So wie ich mich eben auch selbst meinen Freunden gegenüber verhalte.
Hier komme ich zum oben genannten Prinzip des “First Come – First Served”.
Zum ersten Mal in meinem bisherigen Leben bekam ich zuhören, dass jemand seine Freunde und Bekanntschaften nach dem “First Come – First Served”-Prinzip behandelt.
Kurzum, diejenige Person, die sich zuerst meldet, bekommt die eigene freie Zeit zur Verfügung gestellt – abstrakt gesprochen – wer zu spät kommt, muss warten. Jeder wird gleich behandelt.
Diese Stelle ist für mich ein extremer Konfliktpunkt mit der ich nicht klar komme.
Ich dachte, ich werde genauso behandelt, wie ich die Person behandle, da ich sie zu meinen Freunden zähle, doch dem war nicht so. Ich durfte die Erfahrung sammeln eingereiht zu werden in einen immer größer werdenden Freundes/Bekanntenkreis. Da ich mitunter spontan bin, doch andere “sich eher angestellt” hatten, damit eher “bedient” wurden, habe ich mehrmals Absagen auf meine Frage nach freier Zeit hin erhalten. Nicht dass ich es nicht mehrmals probiert hätte, aber irgendwann gab ich auf zu fragen.
Nun, dieses Thema bringt nun anscheinend meine Freundschaft mit dieser Person zu Bruch. Ich freue mich, wenn ich gefragt werde, ob ich Zeit mit demjenigen verbringen möchte. Ich sage stets zu, doch dann kommt dieser Gedanke, dass ich eigentlich nur Glück hatte einen freien Zeitschlitz erhalten zu haben, ergo niemand vor mir da war, und ich mal an der Reihe bin. Das zieht meine Laune derart in den Keller, dass ich dieser Person in meiner sonst eigentlich lockeren und fröhlich spassigen und bösen Art, welche bekannt ist und geschätzt wird, nicht gegenüber treten kann. Ich verhalte mich dann sehr mürrisch und zugeknöpft, eben schlecht gelaunt, was wiederum nicht auf Gegenliebe stößt.
Nachdem ich diese ganze Situation penibel durchdacht habe und jetzt darüber schreibe, sprach ich die Person auf dieses Thema “FC-FS vs. Priorität” an und bekam zu hören, dass ich keine “höhere Priorität” erhalte, verdient hätte, da ich stets schlecht gelaunt sei und mein Verhalten kein Spass macht, ergo die Person keine längere Zeit mit mir verbringen möchte.
Ein Teufelskreis.
Ich habe keine Idee, nicht mal einen wagen Ansatz, wie ich die Sache zum Guten wenden kann. Bekanntlich geht man in Freundschaften durch dick und dünn, doch diesmal ist das Band leider so dünn geworden, dass es zu zerreißen droht.
Ich fände es sehr schade, wenn aus der Freundschaft eine Bekanntschaft wird, die letztendlich irgendwann im Sande verläuft…
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Für diesen Eintrags habe ich mir 90 Minuten meines Leben Zeit genommen..
Das Nachdenken über die Situation hat allerdings viel viel länger gedauert.
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